Abnehmen – reine Kopfsache?

Wer sich fragt, warum die meisten Diäten nicht langfristig funktionieren, ist seit kurzem um paar gute Erklärungen reicher: Denn das jüngst erschienene Buch „Kopfsache schlank“ stellt klar, dass unser Essverhalten in unserem Gehirn abgespeichert ist, konkret: in den Basalganglien, die für unsere automatisierten Verhaltensweisen zuständig sind.

 

Die zwei Autorinnen wissen, wovon sie schreiben – schließlich arbeiten sie hauptberuflich als Neurochirurginnen: Dr. Iris Zachenhofer und Dr. Marion Reddy haben sich gemeinsam mit der Frage beschäftigt, wie und warum Menschen zu viel essen – und wie man sein Gewicht über das Gehirn steuern kann.

abnehmen-kopfsache-schlank

Um dies herauszufinden, hat Dr. Zachenhofer sich selbst als Versuchskaninchen zur Verfügung gestellt und ihre eigenen Essmuster genauer unter die Lupe genommen. Ihre Erkenntnis: Ob Stress oder Entspannung, Belohnung oder Trostpflaster – oft ist es gar nicht der Hunger, der uns zum Essen treibt. Vielmehr spielen die bereits erwähnten Basalganglien eine wesentliche Rolle: Sie sind für die Gewohnheiten im Leben verantwortlich. Der erste Schritt zum Idealgewicht ist daher, die eigenen unbewussten Routinehandlungen beim Essen zu erkennen und die Basalganglien neu zu „programmieren“.

 

Erfreulicher Grundtenor des Buches: Der Weg zum neuen Gewicht soll Freude machen statt von Verzicht und Frust gekennzeichnet zu sein! Damit das gelingt, muss das Belohnungssystem überlistet und aktiviert werden – und zwar eben nicht über das Essen, wie es im Alltag so oft geschieht. Stattdessen sollte man sich andere Dinge suchen, die einen zufriedenstellen, weil dadurch Dopamin gebildet wird. Das kann ein Friseurbesuch, eine Massage oder gute Musik sein, aber auch schon die sorgfältige, bewusste Zubereitung einer Mahlzeit. Ebenso wichtig: beim Essen Nahrungsmittel zu wählen, die den Blutzuckerspiegel nicht zuerst schnell in die Höhe treiben und danach gleich wieder fallen lassen, sodass die gefürchteten Heißhungerattacken entstehen. Gemüse und Nüsse zum Beispiel halten den Blutzuckerspiegel konstant.

 

Es sind sehr brauchbare und mitunter auch lustige Tricks, die die beiden Autorinnen ihren Lesern vor Augen führen – immer betonend, dass jeder Mensch seinen ganz eigenen Weg zur „Umprogrammierung“ finden muss. Einer von vielen Tipps, der relativ einfach umzusetzen ist: früher schlafen gehen. Denn im Schlaf in der Zeit zwischen 22:00 und 00:00 sinkt der Level am Stresshormon Cortisol am stärksten ab – dadurch ist man entspannter und die Erfolgsaussichten für jede Essensveränderung sind gleich viel höher.

 

http://derstandard.at/2000031114386/Abnehmen-Programmwechsel-im-Hirn