Die Wahrheit über Stevia

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Seit das aus der südamerikanischen Pflanze „Stevia rebaudiana“ gewonnene Süßungsmittel von der Lebensmittelindustrie entdeckt wurde, sorgt es für Diskussionen. Es sei die einzig wahre Alternative zu kalorienreichen natürlichen Süßungsmitteln wie Vollrohrzucker, Honig oder Ahornsirup, meinen die Befürworter. Es mache süchtig und sei sogar krebserregend, meinen die Kritiker.

Nun haben sich die Experten zu Wort gemeldet – mit einer recht simplen Erkenntnis: „Stevia ist eine weitere Alternative zu Zucker, die keine Kalorien erhält – nicht mehr und nicht weniger“, meint Prof. Dr. med. Stephan Matthaei, Präsident der Deutschen Diabetiker Gesellschaft. Stevia sei somit für Diabetespatienten weder besser noch schlechter als andere energiearme Zuckerersatzstoffe geeignet.

Wie immer macht jedoch auch hier die Ausnahme die Regel: Für jene Menschen, die an der seltenen Stoffwechselkrankheit Phenylketonurie leiden, ist Stevia eine gute Alternative zu aspartamhältigen Süßstoffen, weil die in letzteren enthaltene Aminosäure Phenylalanin – die übrigens auch in Eiern, Milch und anderen tierischen Lebensmitteln vorkommt – nicht abgebaut werden kann. Davon betroffen ist in Österreich aber nur eines von 10 000 Neugeborenen.

Die Wahrheit über SteviaWeder kariesfördernd noch krebserregend

Fest steht mittlerweile auch, dass Stevia weder kariesfördernd noch krebserregend ist. Und obwohl noch nicht einmal geklärt ist, ob die Gefahr einer Überdosierung überhaupt gegeben ist, gilt der Verzehr auf jeden Fall als unbedenklich, sofern der sogenannte ADI-Wert (acceptable daily intake) von 4 mg pro Kilogramm Körpergewicht eingehalten wird. Das ist jene Menge eines Stoffes, die laut wissenschaftlichen Berechnungen ein Leben lang täglich eingenommen werden kann, ohne gesundheitlichen Schaden zu nehmen. Bei einer 60 kg schweren Person entspricht das also 240 mg Stevia. Da Stevia jedoch rund 300 Mal so süß wie Zucker ist, wird es ohnehin nur in kleinen Mengen verwendet.

300 Mal so süß wie Zucker

Die Guaraní-Indianer in Paraguay verwenden die Blätter der kleinen krautigen Pflanze Stevia vermutlich schon seit Jahrhunderten zum Süßen. Seit Dezember 2011 sind die daraus gewonnenen „Steviolglycoside“ auch als Süßungsmittel in der EU zugelassen („E 960″ ). Stevia ist zweihundert- bis dreihundertfach süßer als Zucker und dabei praktisch kalorienfrei. Warum es von der Lebensmittelindustrie hierzulande dennoch in weit geringerem Ausmaß verwendet wird als beispielsweise in Japan, erklärt sich vermutlich damit, dass das Stevia-Extrakt einen etwas bitteren Nachgeschmack hat.