Fußball gegen Diabetes. NEU: Interview mit Gary Mabbutt

Was auf den ersten Blick vielleicht seltsam klingen mag, ist auf den zweiten eigentlich logisch. Denn wer viel körperliche Bewegung macht, unterstützt damit die eigene Gesundheit, wodurch mitunter so manche Krankheit vermieden werden kann – wie zum Beispiel Diabetes mellitus Typ 2.

Doch auch – oder gerade ­– wenn man bereits unter der Krankheit leidet, ist ein aktiver Lebensstil wichtig, um das eigene Wohlbefinden zu erhöhen. Genau diese Botschaft vermittelt die internationale Fußball Championship DIAEURO, die im Sommer 2013 im kroatischen Zadar veranstaltet wurde. Das Besondere daran: Sämtliche Teilnehmer, die aus verschiedenen europäischen Ländern stammen, sind Diabetiker – und zeigen vor, wie man dennoch sportlich und aktiv bleiben kann. Jedes Team besteht aus 7 Spielern, einem Trainer und einem Arzt. Das Mindestalter beträgt 18 Jahre, nach oben gibt es kein Alterslimit – schließlich ist man nie zu alt, um ein aktives Leben zu führen.

Hauptziel der DIAEURO ist es jedoch nicht nur, ein positives Beispiel für all jene Menschen zu liefern, die mit Diabetes leben müssen, sondern auch, das allgemeine Bewusstsein für diese Krankheit sowie die Bedeutung eines gesunden Lebensstils zu erhöhen und die Diskriminierung von Diabeteskranken zu vermindern.

https://www.facebook.com/DiaEuro2013

 

Gary Mabbutt

1:0 gegen Diabetes:

Interview mit Gary Mabbutt.

Als bestes Beispiel dafür, wie man selbst als Profisportler mit der Krankheit Diabetes leben und erfolgreich sein kann, gilt der ehemalige Profi-Fußballspieler Gary Mabbutt. Anlässlich des Welt Diabetes Tages am 13. November 2013 wurde er von Sportwissenschaftler Greg Whyte zum Thema interviewt.

 

Gary, Ihnen wurde im Alter von 17 Jahren Diabetes Typ 1 diagnostiziert.  Wie kam es dazu?

GARY:  Ich war bereits ein professioneller Fußballspieler bei Bristol Rovers. Kurz nach Weihnachten begann ich, mich ein bisschen lethargisch zu fühlen. Ich war sehr durstig, trank ständig Flüssigkeit. Wir spielten ein Match in Leicester – wahrscheinlich das schlechteste meines ganzen Lebens. Daraufhin ging ich zum Arzt, machte einen Test und nach fünf Minuten meinte der: “Gary, du hast Diabetes”.  Er erklärte mir, dass ich mir für den Rest meines Lebens Injektionen setzen müsste, dass es Typ 1 Diabetes wäre, was vor allem jüngeren Menschen passiert, und das sich meine gesamte Ernährung ändern müsse.

Wie fühlten Sie sich, als Sie diese Diagnose hörten?

Gary: Es war ein Riesenschock für die ganze Familie. Natürlich war für mich zuerst meine Karriere das Wichtigeste. Würde ich überhaupt als Profi-Fußballer weitermachen können? Mein Dad kontaktierte drei Topspezialisten, und alle drei behaupteten, es würde sehr schwierig, auf diesem Level weiterzuspielen. Dann konsultierte er eine vierte Person und dieser Mann meinte: “Es ist zwar noch nie vorgekommen, dass ein junger Mensch Diabetes hat und zugleich auf diesem Level spielen will – aber es ist einen Versuch wert!” Gottlob hatte er recht. (…)

Wie mussten Sie Ihren LifeStyle als Profi-Football-Player ändern, um das zu schaffen?

GARY: An Spieltagen musste ich natürlich Kohlehydrate zu mir nehmen, um dem Insulin, das ich zu mir nehme, entgegen zu wirken. Deshalb mussten wir einen Weg finden, diese Kohlehydrate in mich hineinzukriegen, ohne dass ich zu große Mengen einnehmen musste. Früher liebte ich Brausegetränke und süßte meinen Tee immer mit Zucker – doch dies konnte ich nun durch kalorienarme Süßstoffe ersetzen. Sprich: Ich konnte mein Essen nach wie vor genießen, nahm dabei aber weniger Zucker zu mir.

Gary, Sie haben Typ 1 Diabetes. Aber eigentlich wird eher Typ 2 Diabetes mit dem LifeStyle in Zusammenhang gebracht. Können Sie uns den Unterschied zwischen den beiden Typen erklären?  

GARY: Typ 1 wird meistens diagnostiziert, wenn man noch jünger ist. In so einem Fall muss man sich leider höchstwahrscheinlich das ganze Leben lang Injektionen verabreichen. Type 2 tritt eher auf, wenn man älter wird, und es hat mehr mit dem eigenen LifeStyle zu tun – die Leute machen möglicherweise weniger Bewegung, haben ihre Ernährung vernachlässigt und deshalb vielleicht auch zugenommen. Typ 2 Diabetes ist deshalb aber auch vermeidbar, wenn die Leute auf sich achten und regelmäßig trainieren. (…)

Wie wichtig ist körperliches Training also für Menschen, die an Diabetes leiden?

Körperliche Ertüchtigung ist für absolut jeden Menschen wichtig, nicht nur für Diabetiker. Es reduziert das Gewicht, die Blutzuckerwerte und den Blutdruck, außerdem das “schlechte” Cholesterin im Körper. Darüberhinaus hilft es dabei, sich zu entspannen, man wird den Stress leichter los.

Gibt es irgendeine Möglichkeit bzw. wird genug dafür getan, um die Leute besser über Diabetes zu informieren?

GARY: Als Patron von “Diabetes UK” bin ich einer von vielen, die extrem hart dafür arbeiten, die Menschen besser über Diabetes aufzuklären – und auch über die Begleitumstände der Krankheit. Was wirklich lebenswichtig ist: Wenn man ständig wetterfühlig ist, übermäßig viel trinkt und dauernd durstig ist, wenn man sich lethargisch fühlt – dann sollte man schleunigst zum Arzt gehen, einen Test machen und man weiß innerhalb von Sekunden, ob man unter Diabetes leidet.

Noch einen guten Ratschlag parat für alle, die sich wegen Diabetes beeinträchtigt fühlen?

Als jemand, der seit 35 Jahren an Diabetes erkrankt ist, kann ich eines mit Sicherheit sagen: Was immer man erreichen möchte, wie auch immer die eigenen Ziele und Träume aussehen – solange man gut auf sich achtet, also beispielsweise die richtige Diät einhält und seine Medikamente regelmäßig einnimmt  – wird einen Diabetes auch nicht beeinträchtigen.

Vielen Dank Gary, es war fantastisch, mit Ihnen zu plaudern.

GARY: Die Freude war ganz auf meiner Seite, danke.

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