Ist Aspartam giftig?

Die Zahlen sprechen für sich: Mittlerweile wurde Aspartam in über 90 Ländern weltweit – darunter die Vereinigten Staaten, Australien, Neuseeland und viele Länder der EU – nach eingehender Überprüfung für sicher genug für den menschlichen Konsum befunden. Auch Kanada unterzog den Süßstoff einer Reihe von toxikologischen Tests, bevor er 2007 als Lebensmittelzusatz zugelassen wurde.

Insgesamt gehört Aspartam mit 200 wissenschaftlichen Studien in über 30 Jahren zu den am meist untersuchten Lebensmittelzusätzen überhaupt und wurde von internationalen Gesundheitsorganisationen wie der WHO (World Health Organisation), der FDA (US Food and Drug Administration), der ANSES (French Agency for Food, Environmental and Occupational Health & Safety) und der EFSA (European Food Safety Authority) mehrmals überprüft und für unbedenklich erklärt – zuletzt im Jahr 2011.

Wie schon in der Rubrik Nebenwirkungen erwähnt, kommt es aber natürlich auf die Verzehrmenge an: Der von der EU festgelegte Wert, den ein Mensch täglich ein Leben lang bedenkenlos zu sich nehmen kann, liegt bei Aspartam bei 40 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Das entspricht bei einem 60 Kilogramm schweren Menschen täglich rund 12 Dosen eines Diätgetränks à 0,33 Liter.

Die Aspartam-Kontroverse.

Trotz aller offizieller Untersuchungen will die Kontroverse rund um Aspartam nicht enden. Neben der ganz offensichtlich unseriösen Panikmache via Kettenmails und Websiten wie http://www.zeitenschrift.com/news/short-aspartam.ihtml, auf denen gerne Vokabularien wie „süßes Gift“ oder „Giftcocktail“ verwendet werden, gibt es auch immer wieder wissenschaftliche Studien zum Thema „Aspartam“, die bislang allesamt nach eingehender Prüfung von Gesundheitsinstitutionen wie der EFSA verworfen wurden.

Eines der bekanntesten Beispiele dafür ist eine Studie der Europäischen Ramazzini-Stiftung aus dem Jahr 2005/2006: Damals stellte das Forscherteam eine Versuchsreihe mit Ratten an, um zu beweisen, dass Aspartam krebsauslösend sei. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die sich aus internationalen Experten zusammensetzt, unterzog diese Studie umgehend einer kritischen Bewertung und kam zu dem Schluss, dass die Untersuchungsergebnisse bzw. Rückschlüsse mangelhaft und nicht repräsentativ seien. Unter anderem wurde bemängelt, dass den Ratten eine absurd hohe Menge von Aspartam verabreicht wurde, die keinesfalls der Praxis entspricht, und dass es sich um eine sogenannte Lebenszeitstudie handelte – wobei alte Tiere ebenso wie Menschen von Natur aus vermehrt zu einer Krebserkrankung neigen.

Auch eine weitere Studie aus den USA, die behauptete, der Verzehr von künstlichen Süßstoffen könne die Kontrolle der Kalorienzufuhr im menschlichen Körper beeinflussen und sogar eine erhöhte Nahrungsaufnahme nach sich ziehen, konnte von der EFSA nach eingehender Prüfung wissenschaftlich nicht bestätigt werden.

Hartnäckig hält sich auch das Gerücht, Aspartam würde den Appetit anregen und deshalb sogar als Mastmittel in der Schweinezucht eingesetzt. Der Agrarexperte Prof. Dr. Edgar Schulz von der deutschen Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig betont, dass Süßstoffe lediglich zum Süßen und Aromatisieren von Kälber- und Ferkelfutter eingesetzt wird – und zwar deshalb, um den Umstieg von der Muttermilch auf das Festfutter für die Jungtiere einfacher zu machen. In der Mastphase selbst ist das Futter hingegen frei von Süßstoff.

Es gibt aber auch positive Studien zum Thema. So bestätigte eine holländische Studie aus dem Jahr 2011, die im „European Journal of Nutrition“ veröffentlicht wurde, dass der Austausch von Zucker durch Süßstoffe in kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränken sich vorteilhaft auf den BMI (Body Mass Index) auswirkt. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20429009

Häufigkeitsverteilung Übergewicht - Adipositas in Österreich

Prävalenz von Übergewicht und Adipositas bei Erwachsenen (18-64 Jahre), gesamt und nach Geschlecht

Nach Einteilung des BMI anhand der Kategorien der WHO [WHO, 2000] zeigte sich, dass 58,1 % der Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer normalgewichtig, 2,1 % untergewichtig, 27,6 % übergewichtig und 12,2 % adipös waren. Getrennt nach Geschlecht ergab sich für die Männer eine Prävalenz von Übergewicht und Adipositas von 52,3 % und für die Frauen eine Prävalenz von 27,6 %
Quelle: Österreichischer Ernährungsbericht 2012

 

Außerdem ergab eine Überprüfung von 16 randomisierten kontrollierten Studien, dass die Auswahl von Lebensmitteln mit Aspartam anstatt der normal gezuckerten Produkte zu einer Reduzierung der Energieaufnahme und des Körpergewichts führt. Der geschätzte Gewichtsverlust für einen Erwachsenen mit einem Gewicht von 75 kg betrug 0,2 kg/Woche. http://www.ashwell.uk.com/publications.htm

Entwarnung aus Kanada.

Im Jahre 2007 veröffentlichte die Wissenschafterin Dr. Berna Magnuson von der Universität Toronto eine Analyse namens „Aspartame: a safety assessment based on current usage rates, regulations, and toxicological and epidemiological studies“*, in der sie zu dem Schluss kam, dass „Aspartam ein sicherer Süßstoff ist, der ausgiebig erforscht wurde und dazu beitragen kann, den Kaloriengehalt vieler Lebensmittel zu reduzieren.“ Die Analyse folgerte desweiteren, dass es keinerlei glaubwürdigen Zusammenhang zwischen Aspartam und Erkrankungen des Nervensystems oder irgendeines anderen Krankheitssymptoms gäbe. http://www.cspinet.org/new/pdf/aspartame912.pdf

Und selbst das vom österreichischen Verein für Konsumenteninformation herausgegebene Online-Magazin „konsument.at“ spricht in einem Artikel aus dem Jahr 2007 von „unseriöser Panikmache“ im Zusammenhang mit der Aspartam-Kontroverse: http://www.konsument.at/cs/Satellite?pagename=Konsument/MagazinArtikel/Detail&cid=31713

Übrigens: Die TU-Berlin hat sogar eine eigene Seite zur „Aspartam-Sage“ veröffentlicht: http://hoax-info.tubit.tu-berlin.de/hoax/aspartam.shtml

Neuerliche Kontrolle der EU.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: So wie alle Lebensmittelzusatzstoffe, die vor dem 20.Januar 2009 in der EU zugelassen wurden, muss sich auch Aspartam derzeit einer Neubewertung vonseiten der EFSA unterziehen. Obwohl der Abschluss dieser Überprüfung ursprünglich für spätestens 2020 vorgesehen war, wurde er auf Ersuchen der Europäischen Kommission auf das Jahr 2012 vorgezogen.

Da derzeit für eine neuerliche Unbedenklichkeitserklärung noch zu wenige Daten zu bestimmten Abbauprodukten von Aspartam vorliegen, startete die EFSA daher einen zusätzlichen Aufruf zur Einreichung von wissenschaftlichen Daten zu diesem Thema und wird die Neubewertung des Süßstoffes voraussichtlich im Mai 2013 vorlegen.

 

Weitere Informationen und Links zu internationalen Studien zum Thema finden Sie auch auf:

http://www.eufic.org/article/de/ernahrung/Suessungsmittel/expid/Vorteile_Sicherheit_kalorienarmen_SuBstoffen/