Zucker: Besser als sein Ruf

Vor 200 Jahren war Zucker noch ein kostbares Statussymbol,  das nur in der Apotheke verkauft wurde. Heute ist er im Überfluss vorhanden und dabei zunehmend als gesundheitsschädigend verrufen. Die Medien verbreiten nur allzu gerne griffige Schlagwörter wie „Volksdroge“, „Zeitbombe“ oder „Zuckerfalle“  – doch genauer betrachtet, ist Zucker wesentlich besser ist als sein Ruf.

Zucker: Auf die Menge kommt es anSo antwortete Ernährungsmediziner Andreas Pfeiffer erst kürzlich in einem Interview mit dem Online Spiegel auf die Frage, ob Honig gesünder als Zucker sei, mit einem klaren Nein – und der sachlichen Begründung, beides würde sich rein metabolisch nicht voneinander unterscheiden. Pfeiffer vertritt wie viele Ernährungswissenschafter die Meinung, dass ein gesunder Mensch durchaus Zucker – also Saccharose – in vernünftigen Mengen zu sich nehmen könne, ohne dabei Schaden zu nehmen.

Auch der Vorwurf, Zucker verursache Typ-2-Diabetes, ist nicht gerechtfertigt – aus dem einfachen Grund, weil nicht Zucker selbst die Krankheit verursacht, sondern das Übergewicht bzw. die Überernährung. Außer Frage steht dabei jedoch, dass zu viele Kilos auf der Waage unter anderem auch durch einen erhöhten Zuckerkonsum herbeigeführt werden können, weshalb Süßstoffe als Alternative in den letzten Jahrzehnten immer beliebter wurden.

Macht Zucker süchtig?

Besonders weit verbreitet und von den Medien gerne aufgegriffen ist die Behauptung, Zucker mache süchtig. Eine These, die Prof. Dr. Michael Musalek vom Anton Proksch Institut in Wien klar widerlegt: „Es gibt keine Zuckersucht. Das Entscheidende an einem Suchtmittel ist, dass es unglaublich gut und unmittelbar wirken muss, dass es uns massiv psychisch verändert, dass es also psychotrop wirkt. So wie zum Beispiel Opiate, Kokain, Tranquilizer oder Alkohol. Das können Sie mit Zucker nicht erreichen“.

Auf die Menge kommt es an

 Bei der allgemeinen Diskussion rund um Zucker wird außerdem oft übersehen, dass es laut EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) und deutschsprachigen Ernährungsgesellschaften keine wissenschaftliche Basis für einen Höchstwert für (zugesetzten) Zucker gibt, sondern  nur „maßvoller“ Konsum empfohlen wird. Auch die „Dietary Reference Intakes“ der US National Academy of Sciences raten lediglich, die Aufnahme von allen Zuckerarten insgesamt auf 25 % der Gesamtenergiezufuhr zu begrenzen. Diese Limitierung ist de facto keine, da die tatsächliche Aufnahme unter dieser Grenze liegt. Die Durchschnittsösterreicher nehmen dem aktuellen Ernährungsbericht 2012 zufolge 9–10 % der Tagesenergie in Form von zugesetztem Zucker auf.

Interessantes Detail am Rande: Nur weil auf einer Verpackung „zuckerfrei“ steht, heißt das noch lange nicht, dass in besagtem Produkt kein Zucker enthalten ist. Der Hinweis besagt lediglich, dass kein Haushaltszucker zugesetzt wurde, andere Zuckerarten wie beispielsweise Fruchtzucker, Traubenzucker, die auch kalorisch sind, können enthalten sein.