Nimmt man von Aspartam zu?

Ein weitverbreitetes Gerücht über Aspartam und andere Süßstoffe ist, dass sie hungrig machen sowie den Appetit steigern und so zu einer erhöhten Energieaufnahme führen. Aber stimmt das überhaupt? Die kurze Antwort auf diese Frage ist: Nein.

Woher kommt der Mythos?

Der Ursprung dieses Fehlwissens liegt wohl in der falschen Annahme, dass die Geschmacksrezeptoren auf der Zunge beim Konsum von Zucker und mit Süßstoffen gesüßten Lebensmitteln ein Signal an das Gehirn schicken. Dieses erwartet sich in der Folge Energie vom Zucker, welche bei Süßstoffen allerdings ausbleibt. Also muss der Körper scheinbar mit Hunger ausgleichen, um die „verlorene“ Energie wieder einzuholen. 

Soviel zum Mythos, jetzt zu den Fakten.

Süßstoffe steigern Kalorienzufuhr nicht

Im Gegensatz zu Glukose oder Maltodextrin führt Aspartam zu keinem Insulinausstoß, 1 2 denn weder das Gehirn noch die Bauchspeicheldrüse reagieren auf Süßstoffe wie sie auf Zucker reagieren 3. Weiters haben Süßstoffe keinen nachgewiesenen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel, welcher als Indikator für das Hungergefühl verwendet wird.

Zahlreiche Studien stützen diese These. So wurde 2004 in einer Studie 4 untersucht, ob und wie zucker- bzw. süßstoffhaltige Getränke das Hungergefühl und die Energieaufnahme beeinflussen. Das Ergebnis: Die totale Energieaufnahme der Probanden war nach dem zehnwöchigen Experiment höher bei zuckerhaltigen Getränken als bei Lightgetränken, welche mit Süßstoffen gesüßt wurden. Das unterstützt vorherige Studien welche gezeigt haben, dass die Energiezufuhr über Getränke keinen Einfluss auf die spätere Nahrungsaufnahme und folglich die Energiezufuhr und Gewichtszunahme hat. Über Getränke aufgenommene Kalorien werden vom Körper schwerer „erkannt“ und sättigen nicht sehr anhaltend. So landen so am Ende des Tages auf der gesamten Kalorienaufnahme obendrauf.

Süßstoffe machen nicht hungrig

Wymelbeke et al. (2004) stellten außerdem fest, dass weder Hunger noch Appetit von Süßstoffen beeinflusst werden. Alle Probanden der Studie haben die gleichen Werte dazu vorgewiesen, unabhängig davon, ob sie zucker- oder süßstoffhaltige Getränke konsumiert haben. Zu den selben Ergebnissen kommen auch Higgins et al. (2018)5 und Bellisle & Drewnowski (2007)6

Diese Erkenntnisse sind übrigens unabhängig von Alter, Geschlecht, Gewicht, BMI und weiteren Variablen. Somit können Aspartamhaltige Produkte weiterhin von Jung und Alt genoßen werden, ohne dass man sich Sorgen machen muss!

  1. Duskova M, Macourek M, Sramkova M, Hill M, Starka L. The role of taste in cephalic phase of insulin secretion. Prague Medical Report (114) 2013: 222–30.
  2. Hartel B, Graubaum J-H, Schneider B: The influence of sweetener solutions on the secretion of insulin and the blood glucose level. In: Ernährungsumschau (40) 1993: 152–5.
  3. Smeets PAM, de Graaf C, Stafleu A, van Osch MJP, van der Grand J: Functional magnetic resonance imaging of human hypothalamic responses to sweet taste and calories. In: American Journal for Clinic Nutrition (82), 2005: 1011–1016
  4. Van Wymelbeke V, Béridot-Thérond ME, De La Guéronnière V, Fantino M: Influence of repeated consumption of beverages containing sucrose or intense sweeteners on food intake. In: European Journal of Clinical Nutrition (58) 2004: 154-161
  5. Higgins KA, Considine RV, Mattes RD: Aspartame Consumption for 12 Weeks Does Not Affect Glycemia, Appetite, or Body Weight of Healthy, Lean Adults in a Randomized Controlled Trial. In: Journal of Nutrition (148) 2018: 650-657
  6. Bellisle F, Drewnowski A: Intense sweeteners, energy intake and the control of body weight. In: European Journal of Clinical Nutrition (61) 2007: 691-700