Steviolglycoside gelten als gesundheitlich unbedenklich, solange die sichere Tagesmenge eingehalten wird. Gesundheitliche Vorteile, die über das Einsparen von Zucker hinausgehen, sind dagegen nicht belegt.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat Steviolglycoside 2010 umfassend bewertet. Ergebnis: Sie schädigen nicht das Erbgut, sind nicht krebserregend und beeinträchtigen weder Fruchtbarkeit noch Entwicklung. Auf dieser Basis legte die EFSA eine sichere Tagesmenge (ADI) von 4 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht fest. Der Wert ergibt sich aus der höchsten Dosis ohne beobachtete Wirkung in einer Langzeitstudie, geteilt durch einen Sicherheitsfaktor von 100. 2024 prüfte die EFSA einen Antrag, den ADI auf 6 oder 16 Milligramm anzuheben, und lehnte ihn ab, weil die vorgelegten Daten nicht ausreichten. Der Wert bleibt damit bei 4 Milligramm. Wie solche Werte entstehen, erklärt der Beitrag Was ist der ADI-Wert?
Was im Körper passiert: Steviolglycoside werden im Dünndarm kaum aufgenommen. Erst Darmbakterien spalten die Zuckerbausteine ab, übrig bleibt Steviol. Es wird aufgenommen, in der Leber an Glucuronsäure gebunden und über den Urin ausgeschieden. Eine Anreicherung im Körper findet nicht statt.
Blutzucker, Karies und Darmflora: Steviolglycoside erhöhen den Blutzucker nicht und fördern keine Karies. Die bisherigen Studien am Menschen zeigen keine signifikanten Effekte auf Blutzucker, Insulin oder die Darmflora, laufen allerdings meist nur wenige Wochen bis drei Monate (Übersichtsarbeit 2026). Eine Studie an Mäusen aus 2026 fand Veränderungen der Darmflora, teils auch bei den Nachkommen, bei Stevia allerdings schwächer als beim Süßstoff Sucralose. Unabhängige Fachleute betonen, dass sich solche Tierversuche nur begrenzt auf den Menschen übertragen lassen. Aussagen wie „senkt den Blutzucker“ oder „senkt den Blutdruck“ sind in der EU nicht zugelassen und dürfen nicht beworben werden.
Was sagt die WHO zu Stevia?
2023 veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Leitlinie, in der sie davon abrät, Süßstoffe zur Gewichtskontrolle einzusetzen. Stevia ist ausdrücklich mit eingeschlossen, ebenso Aspartam, Acesulfam-K, Cyclamat, Saccharin und Sucralose. Für die Einordnung wichtig:
- Es handelt sich um eine bedingte Empfehlung. Die WHO stuft die Datenlage selbst als begrenzt ein, weil die beobachteten Zusammenhänge auch durch andere Faktoren erklärt werden können.
- Es ist keine Sicherheitsbewertung. Ob Stevia unbedenklich ist, beurteilen weiterhin die Zulassungsbehörden wie die EFSA.
- Die Empfehlung gilt nicht für Menschen mit Diabetes.
Was bringt der Tausch von Zucker zu Stevia?
Der direkte Effekt ist die Kalorienersparnis. Ein Gramm Zucker liefert rund 4 Kilokalorien, ein Teelöffel mit etwa 4 Gramm also rund 16. Deutlicher wird der Unterschied bei Getränken: Ein halber Liter eines Erfrischungsgetränks mit 10 Gramm Zucker pro 100 Milliliter enthält 50 Gramm Zucker und damit rund 200 Kilokalorien. Wie viel Zucker etwa in Cola steckt, zeigt der Beitrag Cola Zucker pro 100 ml.
Die WHO empfiehlt, weniger als 10 Prozent der täglichen Energie über freien Zucker aufzunehmen, idealerweise weniger als 5 Prozent. Bei 2.000 Kilokalorien am Tag sind das unter 50 beziehungsweise rund 25 Gramm. Ein einziges gesüßtes Getränk kann diese Menge bereits ausschöpfen. Ob sich der Tausch auch auf das Körpergewicht auswirkt, hängt davon ab, ob die eingesparten Kalorien an anderer Stelle wieder dazukommen. Stevia kann Zucker ersetzen, eine Gewichtsabnahme bewirkt es nicht von selbst.