Wie viel Zucker pro Tag ist in Ordnung?

Die WHO empfiehlt, weniger als 10 Prozent der täglichen Energie über freien Zucker aufzunehmen, idealerweise weniger als 5 Prozent. Bei 2.000 Kilokalorien sind das unter 50 Gramm beziehungsweise rund 25 Gramm, also etwa 12 oder 6 Teelöffel. In Österreich liegt die Aufnahme laut Ernährungsbericht 2017 deutlich darüber.

Würfelzucker auf einem Löffel und daneben vor schwarzem Hintergrund

Wie viel Zucker pro Tag? Die Empfehlung der WHO

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, weniger als 10 Prozent der täglichen Energie über freien Zucker aufzunehmen, idealerweise weniger als 5 Prozent. Bei 2.000 Kilokalorien am Tag sind das unter 50 beziehungsweise rund 25 Gramm. Ein gestrichener Teelöffel Zucker wiegt etwa 4 Gramm, die Obergrenze entspricht also rund 12 Teelöffeln, der Idealwert rund 6.

Die beiden Werte haben unterschiedliches Gewicht. Die Grenze von 10 Prozent ist eine starke Empfehlung und gilt für Kinder wie Erwachsene. Die 5 Prozent sind eine bedingte Empfehlung, weil die Datenlage dafür schwächer ist.

Weil sich die Empfehlung auf die Energie bezieht, hängt die Grammzahl vom persönlichen Bedarf ab. Ein Gramm Zucker liefert 4 Kilokalorien, die Rechnung lautet daher: Kilokalorien pro Tag mal 0,1, geteilt durch 4. Damit ergeben sich für die Obergrenze von 10 Prozent zum Beispiel:

  • 1.800 kcal: unter 45 g Zucker
  • 2.000 kcal: unter 50 g Zucker
  • 2.500 kcal: unter 62,5 g Zucker

Wie viel Zucker dürfen Kinder essen?

Für Kinder gilt dieselbe Grenze von 10 Prozent. Weil sie weniger Energie brauchen, ist die Grammzahl niedriger. Die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) nennt folgende Richtwerte für freien Zucker pro Tag:

  • 1 bis 3 Jahre: ca. 30 g
  • 4 bis 6 Jahre: ca. 35 g
  • 7 bis 10 Jahre: ca. 42 g

Im ersten Lebensjahr sollte Speisen und Getränken laut AGES gar kein Zucker zugesetzt werden.

Was zählt als freier Zucker – und was nicht?

Die WHO-Empfehlung bezieht sich nicht auf jeden Zucker, sondern auf den sogenannten freien Zucker. Dazu zählen:

  • jeder Zucker, der Lebensmitteln und Getränken zugesetzt wird, egal ob bei der Herstellung, beim Kochen oder am Tisch
  • Zucker, der von Natur aus in Honig und Sirup steckt
  • Zucker in Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten, auch in reinem Saft ohne Zuckerzusatz

Nicht dazu zählt der Zucker, der natürlich in frischem Obst, in Gemüse und in Milch enthalten ist. Für ihn gilt die Empfehlung laut AGES nicht. Ein Apfel zählt also nicht zur Tagesmenge, ein Glas Apfelsaft schon.

Was die Nährwerttabelle zeigt

Auf Verpackungen steht unter „davon Zucker“ der gesamte Zucker eines Produkts, also auch Milch- und Fruchtzucker. Bei Naturjoghurt ist das fast nur Milchzucker, der nicht zum freien Zucker zählt. Wie viel Zucker zugesetzt wurde, zeigt erst die Zutatenliste.

Manche Packungen geben zusätzlich an, wie viel Prozent der „Referenzmenge“ ein Produkt liefert. Diese Referenzmenge beträgt laut EU-Lebensmittelinformationsverordnung 90 Gramm Zucker pro Tag. Sie ist ein Vergleichswert für die Kennzeichnung und keine Empfehlung, denn sie umfasst den gesamten Zucker. Mehr dazu im Beitrag Was sagt mir die Nährwerttabelle?

Ab wann ist Zucker schädlich?

Eine feste Grenze, ab der Zucker schädlich wird, gibt es nicht. Die WHO stützt ihre Empfehlung auf zwei Zusammenhänge: Wer mehr freien Zucker aufnimmt, hat ein höheres Risiko für Karies und für eine Zunahme des Körpergewichts.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat 2022 geprüft, ob sich für zugesetzten und freien Zucker eine sichere Höchstmenge festlegen lässt. Ergebnis: Das ist nicht möglich, weil sich in den untersuchten Mengen keine Aufnahme zeigt, unterhalb derer das Risiko nicht erhöht ist. Die EFSA empfiehlt deshalb, so wenig wie möglich aufzunehmen, im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung. Die Beweislage ist dabei unterschiedlich stark:

  • Karies: Der Zusammenhang ist gut belegt.
  • Übergewicht und erhöhte Blutfettwerte: Ein ursächlicher Zusammenhang ist mit mittlerer Sicherheit belegt.
  • Typ-2-Diabetes und Fettleber: Hier ist die Sicherheit gering.

Deutlicher fällt das Ergebnis bei zuckerhaltigen Getränken aus. Für sie sieht die EFSA mit hoher Sicherheit einen Zusammenhang mit Übergewicht, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ob beim Bluthochdruck und bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen der Zucker selbst die Ursache ist, lässt die Behörde offen.

Abgesehen von Karies hängt die Wirkung von Zucker stark von der Ernährung insgesamt ab, vor allem davon, ob über längere Zeit mehr Energie aufgenommen als verbraucht wird. Wer an Diabetes erkrankt ist, sollte die passende Zuckermenge mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen. Mehr dazu im Beitrag Volkskrankheit Diabetes: Süßstoffe sinnvoll.

Wie viel Zucker essen die Menschen in Österreich?

Deutlich mehr als empfohlen. Die aktuellste repräsentative Erhebung ist der Österreichische Ernährungsbericht 2017, für den rund 2.000 Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren befragt wurden. Die wichtigsten Ergebnisse zum Zucker:

  • Frauen nehmen im Schnitt 17,6 Prozent ihrer Energie über freien Zucker auf, bei durchschnittlich 1.815 Kilokalorien sind das rund 80 Gramm am Tag.
  • Männer kommen auf 16,5 Prozent, bei durchschnittlich 2.453 Kilokalorien rund 100 Gramm am Tag.
  • Über der WHO-Obergrenze von 10 Prozent liegen 88,8 Prozent der Frauen und 81,4 Prozent der Männer.
  • Den Idealwert von 5 Prozent erreichen nur rund 1 Prozent der Frauen und 2,5 Prozent der Männer.

Laut Bericht trinken Männer täglich zwischen 167 und 238 Gramm Limonaden, Frauen zwischen 84 und 141 Gramm, wobei die Menge mit dem Alter abnimmt. Beides liegt laut Bericht deutlich über den Empfehlungen der Österreichischen Ernährungspyramide.

Einen zweiten Anhaltspunkt liefert die Statistik Austria: Im Wirtschaftsjahr 2024/25 lag der Zuckerverbrauch bei 26,8 Kilogramm pro Kopf, nach 27,8 Kilogramm im Jahr davor. Das entspricht rund 73 Gramm am Tag. Diese Zahl stammt aus einer Bilanz von Produktion, Außenhandel und Lagerbeständen. Sie zeigt, wie viel Zucker im Land verbraucht wird, nicht, wie viel tatsächlich gegessen wird.

Zur Einordnung: Je nach Erhebung schwanken die Werte, weil unterschiedlich gemessen wird, etwa Verbrauch oder Verzehr, freier oder gesamter Zucker. Wir verwenden Durchschnittswerte und runden die Grammangaben, die wir selbst aus den Prozentwerten umgerechnet haben. Die Daten des Ernährungsberichts 2017 sind die neuesten verfügbaren. Der Ernährungsbericht 2026 wird derzeit von der Universität Wien gemeinsam mit der AGES im Auftrag des Gesundheitsministeriums erstellt. Sobald er vorliegt, aktualisieren wir diesen Beitrag.

Übergewicht in Österreich

Mehr als die Hälfte der Menschen in Österreich ab 15 Jahren hat Übergewicht. Laut Österreichischer Gesundheitsbefragung 2025 (Statistik Austria) sind 35,2 Prozent übergewichtig und weitere 17,8 Prozent adipös, also stark übergewichtig. Beide Anteile sind seit der letzten Befragung 2019 gestiegen.

Auch bei Kindern ist das Thema relevant. In der Erhebungsrunde 2022/23 der Kinderstudie COSI der WHO Europa war in Österreich fast jedes dritte Kind im Alter von acht und neun Jahren übergewichtig oder adipös, nach den Kriterien der WHO im Schnitt 30 Prozent.

Übergewicht hat viele Ursachen, darunter Bewegung, Schlaf, Veranlagung und die Ernährung insgesamt. Zucker ist ein Faktor davon, weil er Energie liefert. Der Ernährungsbericht 2017 zeigt, dass gut die Hälfte der Erwachsenen mehr Energie aufnimmt, als ihr Bedarf bei überwiegend sitzender Tätigkeit beträgt. Wer Zucker einspart, kann diese Bilanz verbessern, vorausgesetzt, die Kalorien kommen nicht an anderer Stelle wieder dazu. Mehr dazu im Beitrag Nimmt man von Aspartam Gewicht zu?

Zucker im Alltag reduzieren

Am meisten lässt sich dort einsparen, wo viel Zucker in kurzer Zeit zusammenkommt, allen voran bei gesüßten Getränken: Ein halber Liter eines Erfrischungsgetränks mit 10 Gramm Zucker pro 100 Milliliter schöpft allein die WHO-Obergrenze für einen ganzen Tag aus. Weitere Hebel sind Frühstück, Fertigprodukte und Backen. Wie der Umstieg im Alltag gelingt und was in welcher Zeit realistisch ist, zeigt der Beitrag Zuckerfreie Ernährung im Alltag.

Süßstoffe als Alternative: Süßstoffe wie Stevia oder Aspartam und Zuckeralkohole wie Erythrit liefern Süße ohne oder fast ohne Kalorien. In der EU sind sie geprüft und zugelassen, für jeden gibt es eine sichere Tagesmenge, den ADI-Wert. Die WHO rät allerdings davon ab, sie gezielt zur Gewichtskontrolle einzusetzen. Diese Empfehlung ist bedingt, gilt nicht für Menschen mit Diabetes und ist keine Sicherheitsbewertung. Einen Überblick gibt der Beitrag Süßstoffe.

Quellen